Punkt. Komma. Ellipse.
Interpunktionen – kreativ genutzt – sind ein äußerst wirkungsvolles Instrument. „Kreativ eingesetzt“ bedeutet allerdings nicht, dass Sie die Regeln ändern sollten.
Zum Beispiel, Sätze zu schreiben, die ohne ein einziges Komma, ohne Strichpunkt oder Punkt über eine halbe Seite laufen – und so dem unglücklichen Leser auch nicht die kleinste Pause gönnen, hat mit Kreativität nichts zu tun. Das ist Faulheit.
Ihr Text sollte… nun er sollte Musik machen. Mit der Art, wie Sie Ihre Sätze anordnen und Satzzeichen setzen, geben Sie Ihren Lesern die Möglichkeit, Ihre Worte nicht nur zu lesen, sondern auch zu „hören“. Sie zu erleben – und das möchten Sie doch erreichen?
Das hier ist allerdings kein Satzzeichen Tutorial. Dazu gibt es jede Menge an Lehrbüchern und Webseiten, die Ihnen die Grundlagen von Grammatik und Interpunktion vermitteln können. Ich zeige Ihnen hier ein paar Dinge, mit denen sich - an und für sich gute - Texte sehr schnell ruinieren lassen. Und gebe Ihnen ein paar Tipps, wie Sie das vermeiden.
Der Punkt
Ein Punkt wird eingesetzt, um das Ende eines Satzes anzuzeigen. Ursprünglich hatte ich ja nicht vor, darauf näher einzugehen, das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Nur musste ich auf Webseiten, in Newsletter und eBooks immer wieder festgestellen, dass viele Autoren eine offenkundige, ja geradezu feindliche Geringschätzung für jede Art von Satzzeichen am Ende eines Satzes an den Tag legen.
Wie steht’s mit Ihnen, an das Ende eines Satzes gehört doch ein Punkt? Oder ein Fragezeichen …
ANMERKUNG: Kein Punkt wird an das Ende eines gesprochenen Satzes gesetzt, wenn das, was gesprochen wird, in Anführungszeichen steht. Sie schreiben daher:
„Bring mir das, Franz“ befahl er.
UND NICHT
„Bring mir das, Franz.“ Befahl er.
… „befahl er“ ist Teil des ganzen Satzes und kein eigenständiger Satz.
Das Komma
Es zeigt eine Pause an, die den Sinn eines Satzes klar macht. Unglücklicherweise streuen viele Autoren Beistriche wie Konfettis aus. Sie sind scheinbar der Meinung, dass Kommas die Arbeit aller anderen Satzzeichen übernehmen.
Diese „Schreiberlinge“ machen Pausen, um darüber nachzudenken, was sie als nächstes schreiben sollten. Und während sie vor sich hin grübeln, setzen sie einen Beistrich. Und dann schreiben sie weiter … stoppen wieder, um nachzudenken und setzen ein weiteres Komma … und so geht das dahin. So werden Sätze mit Kommas aneinander „gespleisst“!
Ein Beispiel:
Franz rannte hinter Peter her, seine Beine wurden mit jedem Schritt müder, er wünschte sich die Entscheidung mitzukommen nie getroffen zu haben, so wurde es zu einer einzigen Katastrophe, dazu war Peter dann auch noch rechthaberisch und nichts interessierte ihn, solange er tun und lassen konnte was er wollte.
(Glauben Sie mir, das ist noch eine sanfte Version, verglichen mit dem, was ich da schon zu lesen bekommen habe – das Schlimmste war wohl ein Satz, der sich ohne jedes Satzzeichen, außer Kommas, über eine ganze Seite zog).
Die korrigierte Version könnte dann zum Beispiel so aussehen:
Franz rannte hinter Peter her, während seine Beine mit jedem Schritt müder wurden. Er wünschte, er hätte diese Entscheidung mitzukommen nie getroffen. Was für eine Katastrophe. Wie es den anderen ging, interessierte Peter nicht im Geringsten, solange er tun und lassen konnte, was er wollte.
Natürlich ist dies nicht die einzig mögliche, korrekte Version – im Allgemeinen bieten sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten an, um Interpunktionen wirkungsvoll einzusetzen.
Ich habe zum Beispiel das Fragment „Was für eine Katastrophe“ als eigenen Satz verwendet, denn hier werden Gedanken von Franz wiedergegeben. Und Franz denkt, wie die meisten Leute, nicht in ganzen Sätzen.
Die Ellipse
… drei Punkte in einer Reihe werden auch als Ellipse bezeichnet (am Ende eines Satzes werden auch vier Punkte gesetzt). Mit diesen Punkten soll angezeigt werden, dass etwas schwächer wird, schrumpft.
Zum Beispiel: jemand verliert mehr und mehr an Kraft, während er sich verteidigt; oder er weiß nicht mehr, was er sagen soll; oder er überlegt, wie er etwas erklären soll (in diesem Fall kann die Ellipse auch in der Mitte des Satzes eingesetzt werden).
Ein Beispiel:
Peter zögerte. Wie sollte er erklären, was schief gelaufen war? „Nun, es passierte, als ich den Raum betrat… ich sah mich um, wollte etwas zu Franz sagen, nur er war nicht mehr da.“ Er zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich kann es mir einfach nicht erklären… er war verschwunden… einfach so.“
Der Bindestrich
Der Bindestrich zeigt an, dass das, was folgt, das Vorhergehende näher erläutern wird (z.B. er hasste es, abwaschen zu müssen – denn dann versäumte er jedes Mal seine Lieblingssendung im Fernsehen). Bindestriche können auch eine Erklärung hervorheben. (z.B. Anna – Florians Schwester – traf erst später ein.)
Und dann können Bindestriche auch eingesetzt werden, um anzuzeigen, dass ein Dialog unterbrochen wurde. Dafür eignet sich ein Bindestrich besser als die Ellipse, denn eine Unterbrechung ist ein plötzlich auftretendes Ereignis und nicht etwas, was schwächer wird.
Zum Beispiel:
Er protestierte: “Aber ich war doch nicht einmal –-„ „Versuch nicht, zu leugnen!“ unterbrach ihn sein Vater. „Ich bin deine ewigen Ausreden wirklich leid!“